geocaching - where(do)yougo?
von Frank am Mi, 28. Mai 2008 17:31
Bisher hatte das Geocaching. immer etwas geheimnisvolles und vielleicht sogar subversives an sich.
Das Häuflein der Geocacher frönte seinem Hobby bewußt unauffällig, versuchte von Uneingeweihten, den Muggels, möglichst nicht beobachtet zu werden und somit die Caches zu schützen.
Mittlerweile ist Geocaching auf dem Weg zum Volkssport. Die Zahl der Geocacher und ebenso die Menge an versteckten Caches steigt und die Medien berichten immer häufiger. So bleibt es nicht aus, daß auch das Interesse steigt, von unserem Hobby zu profitieren.
Die Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers von B. Hoecker haben sicher den Hype um das Geocaching angeheizt. Ob das Buch inhaltich ein wesentlicher Beitrag zum Geocaching ist, sei dahingestellt. Ich behaupte einfach mal, daß es daas Buch nicht gäbe, wenn die Öffentlichkeit nicht aufgrund der vielfältigen Medienberichte bereits für das Thema sensibilisiert gewesen wäre.
Eventagenturen bieten Incentives für gesteßte Manager an, betreutes Cachen läßt sich per Gutschein verschenken und selbst das ZDF führt die Jugend mit Löwenzahn zum cachen. Soweit, so gut! Wenn denn die Caches zu diesem Zweck von den Verantwortlichen selbst versteckt und betreut werden.
Aber es gibt auch andere: Hotels werben mit der Möglichkeit zum Cachen in ihrer Umgebung, die Abteilung für Stadtmarketing der Stadt Haltern verleiht GPS-Geräte, die Landwirtschaftskammer NRW bietet Radtouren an, die natürlich an den Hofläden der Kammerbetriebe voerbeiführen, und listet dabei sofort die, an der Strecke liegenden Caches auf. Die Aufzählung ließe sich sicherlich noch weiterführen.
Den letztgenannten ist aber gemein, daß hier die "Arbeit" der Geocacher, das legen von Geocaches, zur Geldvermehrung eingesetzt wird. Ein Umstand, bei dem sich mir die Nackenhaare sträuben.
Aber nicht nur die Geldgier ist ein Problem. Viele der Caches, gerade in unserer Region, dem Naturpark Hohe Mark, liegen in landschaftlich schöner, zum Teil sensibler und schützenswerter, oder sogar geschützer Natur. Hin und wieder auftauchende, meist rücksichtsvolle Geocacher sind dort vertretbar. Mit zunehmender Popularisierung des Geocachings und dementsprechend steigender Besucherzahl wird das sensible Umfeld dann doch in einem Maße ge- oder sogar zerstört, welches nicht mehr akzeptabel ist. An stark frequentierten Caches entstehen Cacherautobahnen, unvorsichtiges Suchen im Rudel planiert großflächig die Vegetation (gesehen bei einem Cache, bei dem der Vorlogger stolz notiert hat: "Habe diesen Cache gemeinsam mit meinem Chor gefunden").
Gastcacher, die desinteressiert und gelangweilt die Suche nach einer Station beobachten und ihre Langeweile damit besänftigen, mit einem Stock die umliegende Landschaft von Moosen zu befreien, mußten wir auch schon erleben.
Nein, eine elitäres Häufchen, daß einer "Geheimwissenschaft" fröhnt, will ich nicht. Es ist schön, wenn man Nachwuchscacher trifft, die mit Sensibilität und Respekt vor der Natur in die Wälder ziehen und/oder mit eigenen Caches das Cacherleben bereichern. Bitte mehr davon.
Die wachsende Cacherdichte provoziert aber leider unausweichlich immer häufiger Konflikte mit anderen Waldnutzern (z.B. Jägern u. Waldbauern) sowie den für den Schutz des Waldes verantwortlichen Behörden, denen natürlich die zunehmenden Aktivitäten in ihren Revieren nicht verborgen bleiben und nicht immer willkommen sind.
Läuft es wirklich darauf hinaus, daß man in Naturschutzgebieten nur noch Abzählcaches auf den Wanderautobahnen legen kann? Das wäre das Ende dessen, was mir an diesem Hobby so gefällt: Schöne versteckte Ecken, die ich ansonsten nie kennengelernt hätte in Ruhe zu genießen, oder anderen solche selbst gefundenen Stellen mittels eines Caches zu zeigen.
Ähnliche Probleme zeigen sich mittlerweile an sogenannten Lost Places. Häufig bewegen sich Owner und Cacher hier in einer, vorsichtig ausgedrückt, rechtlichen Grauzone. Der vereinzelt auftretende Cacher ist dort
meist kein Problem, da häufig unentdeckt. Die Aufmerksamkeit, die eine größere Zahl von parkenden Cachemobilen oder expeditionsgerecht ausgerüsteten Gestalten an ansonsten vergessenen Plätzen wecken, kann bei solchen Locations schnell zu Problemen, bis hin zum vorzeitigen Aus, führen.
Gut, Geocaching ist öffentlich. Jeder Interessierte hat Zugang zu den Daten der Caches. Das ist auch gut so. Ebenso gut ist, daß das Cachen nicht vereinsmäßig organisiert, sondern ein Hobby ist, das in der Hauptsache von Individualisten betrieben wird. Nur so ist Vielfalt gewährleistet. Einen Geocachingführerschein gibt es nicht, und wird es hoffentlich auch niemals geben, obwohl ich mir manchmal eine Grundausbildung für Cacher wünsche. Wie sonst, wenn nicht mit fehlendem Grundwissen, ist zu erklären, daß Cacheowner meinen, sie müssten für die Installation einer Cachestation Schrauben und Nägel an lebenden Bäumen verwenden. Ignoranz möchte ich erst mal nicht unterstellen.
Ich frage mich, wieviel Cacher verträgt der Wald und wieviel Kommerz verträgt das Cachen?
Tags: Kommerz • Geocaching Und Naturschutz
Kommentare
Re: geocaching - where(do)yougo?
von Gast am Mo, 01. Jun 2009 22:34
Eine Art Geocaching-Führerschein gibt es tatsächlich! Siehe hierzu den Kurs "50252: GPS-Workshop im Biosphärengebiet Schwäbische Alb" der VHS Tübingen auf der Internetseite. Hier wird vor allem die technische Seite erläutert.
Diesen Workshop finde ich gar nicht so schlecht...ich probiere es allerdings weiter per trail and error learning 
Mehr Infos unter
http://www.vhs-tuebingen.de/vhssite/sit ... %5D=Q50252
Diesen Workshop finde ich gar nicht so schlecht...ich probiere es allerdings weiter per trail and error learning
Mehr Infos unter
http://www.vhs-tuebingen.de/vhssite/sit ... %5D=Q50252
Dezember 2009
Oktober 2008




